Der Notfallordner - Was muss im Fall der Fälle passieren?

Plötzlich fällt jemand im Team aus. Die anderen Teammitglieder wollen oder müssen die Lücke füllen. Das erfordert einen hohen Einsatz an Zeit und Wissen. Der Ausfall des/r Betriebsleiter*in ist derjenige, der den meisten Menschen als erstes einfällt. Andere bemerkenswerte Lücken entstehen, wenn Ehegatten, Kinder oder Altenteiler ausfallen. Rechtzeitige Planung ist die beste Vorsorge!
Wie kann eine gute Vorsorge aussehen?
Mitarbeitende und Familienangehörige sollten jederzeit über alle Belange des Betriebes und der Familie informiert sein. Sie sollten sich im Büro, mit den Maschinen und den Tieren gut auskennen. Ein Notfallordner bewahrt das Wissen des ganzen Teams. Zusätzlich helfen Ordnung in Büro und Betrieb, Lagepläne und eine klare Beschilderung.
Ersatzpersonen benötigen Hinweise auf Futterzusammensetzung, Bestandsregister, Schlagkartei, Betriebsmittel, Lagepläne, Informationen über Kund*innen, Mitarbeiter*innen, Aushilfen, Liefertermine und vieles mehr. Ebenfalls gehört in den Notfallordner eine Liste von Ansprechpartner*innen, die für das Alltagsgeschäft des Betriebes wichtig sind.
Damit der Betrieb weiter agieren kann und laufende Rechnungen und Gehälter bezahlt werden können, sind Vollmachten besonders wichtig. Eine Vorsorgevollmacht für die betrieblichen und persönlichen Belange ist ebenso unerlässlich wie eine Bank- oder Kontovollmacht. Vollmachten sollten stets über den Tod hinaus gelten.
Wer wird im Todesfall weiter agieren?
Für Unternehmer*innen ist ein aktuelles Testament unerlässlich. Es spielen bei landwirtschaftlichen Unternehmen mehrere Erbrechte ebenso eine Rolle wie die Rechtsform des Unternehmens. Weiterhin sind der Familienstand und das Vorhandensein und die Anzahl leiblicher Kinder relevant.
Wenn die/der Betriebsleiter*in ausfällt, benötigt nicht nur der Betrieb Organisation. Persönliche Informationen könnten notwendig werden. Welche Versicherungen bestehen? Gibt es Geldanlagen oder Darlehen? Wenn ja, bei welchen Instituten? Wer ist ein möglicher Vormund für die Kinder? Gibt es eine Vormundschafts- oder Sorgerechtsverfügung? Wo werden wichtige Verträge, Vollmachten und das Testament verwahrt?
Gute Planung ist sinnvolle Vorsorge. Die Familie und die Mitarbeiter*innen werden es danken.
Die sozioökonomischen Berater*innen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben einen Notfallordner entwickelt. Er bietet Orientierung und Unterstützung im Ernstfall und ist darüber hinaus bei der Einarbeitung von neuen Mitarbeiter*innen und Urlaubsvertreter*innen von Nutzen. Der Ordner wird im Rahmen eines Beratungsgesprächs auf dem Betrieb erstellt und auf die betriebsspezifischen und familiären Besonderheiten zugeschnitten. Weiterhin werden in jedem Winterhalbjahr Seminare angeboten, die an verschiedenen Orten in Niedersachsen stattfinden. Während der Seminare werden die persönlichen Notfallordner vorbereitet.
Weitere Informationen finden sich unter: www.lwk-niedersachsen.de unter dem Webcode: KA3012001000010
Weitere Informationen finden Sie hier.
Anneken Kruse
Sozioökonomische Beraterin und Mediatorin
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Bezirksstelle Uelzen
Außenstelle Harburg